Zum Inhalt springen
beim Abstich an der Schmelzpfanne, Foto: pixabay.com

Thyssen-Krupp, einst das Flaggschiff der deutschen Stahlindustrie, steht vor tiefgreifenden Umbrüchen. Geplante Stellenstreichungen und die unsichere Zukunft der „grünen“ Stahlerzeugung werfen ein Schlaglicht auf die Versäumnisse des Managements und die Herausforderungen durch die internationale Konkurrenz. Hierüber berichteten wir bereits ausführlich. (siehe > hier und >hier)

                                    Ursachen der Krise: Managementfehler und externe Einflüsse

Die geplanten Einschnitte sind drastisch: Bis 2030 sollen von den derzeit 27.000 Arbeitsplätzen in der Stahlsparte rund 11.000 wegfallen. Davon sollen 5.000 Stellen gestrichen und weitere 6.000 durch Auslagerungen reduziert werden.

Diese Entwicklung ist nicht nur auf externe Faktoren zurückzuführen. Fehlentscheidungen des Vorstands in der Vergangenheit haben maßgeblich zur aktuellen Misere beigetragen. Erinnert sei hier an den Verlust von rd. 1,5 Mrd. Euro aufgrund Pfusch am Bau einer neuen Kokerei in der Nähe von Rio de Janeiro in Brasilien in 2013 und einem weiteren Verlust von 8 Mrd. Euro beim Bau eines neuen Stahlwerks in Brasilien. Hinzu kommen strategische Fehlplanungen, wie die verspätete Anpassung an Marktveränderungen, das Festhalten an veralteten Produktionsmethoden sowie zu hohe Vorstands-gehälter in Zeiten der Krise.  Das alles hat die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens geschwächt. Zudem führten interne Führungskrisen zu Instabilität und Vertrauensverlust bei Mitarbeitern und Investoren.
 
                                               Grüner Wasserstoff: Hoffnungsträger oder Fehlinvestition?

Die Umstellung auf wasserstoffbasierte Stahlerzeugung gilt als zukunftsweisend. Thyssenkrupp plant den Bau einer Direktreduktionsanlage in Duisburg, die mit Wasserstoff betrieben werden soll. Bund und Land fördern dieses Projekt mit insgesamt zwei Milliarden Euro. Auch das könnte ein Rohrkrepierer werden. Denn ohne Dauersubventionen ist grüner Stahl schlicht nicht wettbewerbsfähig. China überschwemmt geradezu Europa mit billigem Stahl.  

TK-Aktionäre von Zerschlagung und Auflösung ist die Rede

oder anders formuliert: die Hütte brennt

Obschon sich ThyssenKrupp-Chef Miguel Lopez bei der jährlichen Hauptversammlung zuversichtlich zur Erneuerung des Konzerns  äußerte, äußerte sich der Vertreter des  Anteilseigners Deka Investment, Ingo Speich, eher kritisch. Er sprach nicht nur von einer äußerst angespannten Lage, sondern sah sogar die ganze Hütte brennen. Dann wurde heftig darum gestritten, wie man das Ruder herumreißen und in eine profitablere Zukunft gehen könnte. 

Ob man diesen schwiegen Weg sozialverträglich und ohne Zerschlagung des Konzerns gestalten kann, steht derzeit noch in den Sternen. Der Aktienkurs brach daraufhin um 50 % ein.  

Auch ist völlig offen, wie die Stahlsparte umgestaltet werden soll. 

Sowohl die Aktionäre als auch der Betriebsrat von TK forderten sichtbare Fortschritte. Der Umsatz des Konzerns ging in 2024 um 7 % zurück. Das entspricht einer Summe von 35 Mrd. Euro. Insgesamt wurde ein Verlust von 1,4 Mrd. Euro ausgewiesen. Dieser Verlust ließ sich allerdings auf Wertberichtigungen und die Kosten für die bereits gelaufenen Restruktur-ierungsmaßnahmen zurückführen. 

Um wieder schwarze Zahlen schreiben zu können, will Lopez die Stahlsparte und das Marinegeschäft verkaufen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen darüber hinaus möglichst vermieden werden. 

Das Werk in Kreuztal-Eichen im Siegerland soll allerdings ganz geschlossen werden, obschon es gewinnbringend arbeitet.  Dadurch wären 600 Arbeits-plätze gefährdet. Betriebsrat Helmut Renk findet das unfassbar, das man solche Pläne in einer solch schwierigen Situation verfolgen kann. Schon in 2023 protestierten mehr als 2000 Stahlarbeiter solidarisch vor der Krupp-Zentrale in Essen. 

Daniel Vos von der Schutzgemeinschaft der Kapitaleigner (SdK) brachte auf der virtuellen Hauptversammlung in Essen sogar die Auflösung des Konzerns ins Gespräch und argumentierte, das man irgendwann nur noch ein Sammelssurium von Resten des Konzerns hätte, wo dann die Gretchenfrage beantwortet werden müßte, ob dieser Rest dann noch eine wirkliche Überlebensfähigkeit hätte. 

Warum der scheidende Finanzchef Jens Schulte dann auch noch ein Abschiedsgeld  von vereinbarten 1, 8 Mio. Euro für seinen Wechsel zur Deutschen Börse erhalten sollte, ließ die Aktionäre fassungslos und wütend zugleich werden. 

Aufgrund dieser Wut einigte sich Aufsichtsratschef Siegfried Russwurm mit Schulte auf einen Teilverzicht. Schulte hat Übrigens für vier Monate Tätigkeit laut TK-Geschäftsbericht 1,02 Mio. Euro erhalten. Darin enthalten war ein „Antrittsgeld“ von 600.000 Euro. Derweil die Stahlarbeiter weiter um Ihre Jobs bangen. 

Glückauf ! 

quo vadis- tk ?

Quellenhinweise: 

WAZ vom 31.01.2025 und 01.02.2025; ZDF.de vom 31.01.2025; spiegel.de vom 28.10.2013; sueddeutsche.de vom 10.01.2020; tagesspiegel.de vom 23.02.2017; Wirtschaftswoche.de vom 31.01.2025 sowie RK-Redaktion vom 14.03.2025 

Fotonachweise: 

Header: ThyssenKrupp in Duisburg: Revierkohle; Walzstahlrolle und Flamme: vidstockgraphics; Hintergrund: vidstockgraphics; unten links: pixabay,com; links darunter: vidstockgraphics; Mitte und rechts: vidstockgraphics  

Diesen Beitrag teilen
Summary
Die Hütte brennt lichterloh
Article Name
Die Hütte brennt lichterloh
Publisher Name
Berufsverband Revierkohle e.V.
Publisher Logo
Translate »